Aufruf und Gegenaufruf

Zum Urheberrecht gibt es zwei aktuelle Aufrufe, die unterstützt werden können. In der ZEIT sprachen sich 100 Künstler für die Stärkung des Urheberrechts aus. 

Bekannte Namen finden sich auf der Liste, höchst prominente Autoren, die zu recht darauf hinwiesen, dass das Urheberrecht eine historische Errungenschaft ist, die ihnen letztendlich Einnahmen ermöglicht, um professionell schaffen zu können.

Es ist allerdings schade, dass von vielen die Diskussion des Urheberrechtes als einseitiger Angriff verstanden wird. Die Thematik ist zu komplex, um mit einfachen Schwarz-Weiß-Schemata beurteilt werden zu können.

Deswegen gibt es einen Gegenaufruf von Bürgerinnen und Bürgern, die das Urheberrecht nicht abschaffen wollen, sich sehr wohl aber gesicherte Rahmenbedingungen für die Nutzung oder Zitierung von Werken wünschen, und daher eine brückenbauende Diskussion abseits von unverhältnismäßigem Mitteleinsatz (Abmahnklagen) beginnen wollen.

Die derzeitige Polarisierung, These und Antithese, ist wohl die notwendige Voraussetzung für eine für alle akzeptierbare und anwendbare Lösung, die in den nächsten Jahren entstehen und errungen werden wird. Was sowohl für Kunstschaffende als auch für Nutzer notwendig ist.

Quelle: Futurezone, 11.5.2012

Make Love

Gestern versuchte ich einen der möglichen Anwendungszwecke von 3D-Druckern mit Spielzeug zu veranschaulichen. Wie immer liegt es am Menschen, wofür er eine Technologie einsetzt. Auch Kriminelle entdecken die Technik für sich. Kann in zukünftigen Kriegen Nachschub mittels 3D-Druckern erzeugt werden? Man kann heute schon eine Replik einer Glock-Pistole erzeugen. Oder einen Schlüssel, der Handschellen der niederländischen Polizei öffnet. Betrüger wollten auch schon den Karteneinschub eines Bankomaten bestellen.

Kein Wunder, dass Sicherheitsbehörden immer ängstlicher werden. Terroristen können sich überall befinden und man sollte sich nicht von ihrem Alter täuschen lassen. Deswegen hat in Florida ein achtzehn Monate altes Kleinkind wegen Terrorverdachts ein Flugzeug vor dem Start verlassen müssen. Sein Name stand auf der Liste mutmaßlicher Terroristen, die Mutter war verschleiert, die Familie stammt aus dem nahen Osten, genügend Verdachtsmomente, die im nachhinein als Computerpanne argumentiert wurden.

Da brauchen wir uns nicht zu wundern, dass in Colorado Sechsjährige wegen sexueller Belästigung für drei Tage der Grundschule verwiesen werden. Der Tatbestand? Der Junge sagte zu einem Mädchen: I’m sexy and I know it, die Titelzeile eines bekannten Popsongs. Ja, ja, explicit lyrics, die Frau von Al Gore war in den achtziger Jahren dafür bekannt, den Verkaufserfolg so mancher Band mit sogenannten Parental Advisory Aufklebern zu unterstützen. Und das Singen einer Textzeile wurde in der besagten Volksschule als unerwünschter sexueller Annäherungsversuch definiert, für den es keine Altersgrenze gebe.

Make Love, not War, kann ich da nur sagen.

Quellen:

Waffen aus dem 3D-Drucker, Futurezone, 11.5.2012
Kleinkind wegen Terrorverdachts aus dem Flugzeug gewiesen, ORF, 11.5.2012
Sechsjähriger wird sexueller Belästigung beschuldigt, Spiegel Online, 5.5.2012

Das nächste große Ding

Smartphones, Internet und MP3-Player haben in den letzten zehn Jahren unser Alltagsleben spürbar verändert. Was wird der nächste Trend sein, der den Alltag erobert und Gewohnheiten verändert?

Seit ich vor wenigen Jahren in Linz im Ars Electronica Center zum ersten Mal einen 3D-Drucker gesehen habe, bin ich davon überzeugt, dass diese Technologie die Wohnzimmer erobern wird, sobald sie erschwinglicher geworden ist. 3D-Drucker sind Geräte,  mit denen dreidimensionale Modelle, die man mit Hilfe einer entsprechenden Software plant und gestaltet, Schicht für Schicht ausgedruckt werden, wobei das Drucken bedeutet, dass ein greifbarer Gegenstand erzeugt wird. Aus Kunststoff oder Metall. Ein faszinierendes Erlebnis, einer jener Momente, in denen man sich wie in einem Science-Fiction-Roman vorkommt.

Für pure Techniker ist diese Beschreibung natürlich ungenau, daher nachfolgend die Definition der Wikipedia: Ein 3D-Drucker (dreidimensionaler Drucker) ist eine Maschine, die aus einem flüssigen oder pulverförmigen Werkstoff oder einer Mehrzahl von Werkstoffen gemäß den durch einen elektronischen Datensatz vorgegebenen Maßen und Formen und mittels physikalischen oder chemischen Härtungs- oder Schmelzprozessen dreidimensionale Werkstücke aufbaut. Typische Werkstoffe für das 3D-Drucken sind Kunststoffe, Kunstharze und Metalle.

In Zukunft kaufen wir gewisse Gegenstände nicht mehr in einem Geschäft oder online, wir drucken sie einfach zu Hause aus. Wir kaufen eventuell den Plan, wenn wir Glück haben gibt es ihn sogar frei verfügbar (open design).

Wer schon einmal für seinen Sohn auf der Suche nach Lego Star Wars Figuren gewesen ist, kleine Plastikfiguren, die – Fans mögen es mir verzeihen – nicht besonders hochwertig gestaltet sind, und in Relation betrachtet ziemlich viel kosten, der kann sich vorstellen, welches Potential ein Markt hat, in dem gewisse Artikel nicht mehr teuer beim Monopolisten gekauft, sondern selbst hergestellt werden können. Die nächste Urheberrechts, Patent- und Markendiskussion ist garantiert.

Das Patent für Legosteine ist übrigens nicht mehr gültig. Ab 1996 war der Legostein vom Deutschen Patent- und Markenamt als Marke eingetragen. Dagegen gingen mehrere Wettbewerber vor. Am 16. Juli 2009 bestätigte der Bundesgerichtshof in letzter Instanz die vom Bundespatentgericht ausgesprochene Löschung der Marke. Im Interesse der Allgemeinheit müssten Formen vom Markenschutz freigehalten werden, deren wesentliche Merkmale eine technische Funktion erfüllten. Die Noppen auf der Oberseite des Spielsteins seien Teil des für Lego typischen Klemmsystems und hätten damit ausschließlich eine technische Funktion, urteilte der Bundesgerichtshof. Entsprechend urteilte am 14. September 2010 auch der Europäische Gerichtshof.[5] Quelle: Wikipedia

Die Geräte werden bald leistbar, es gibt bereits welche um ein paar hundert Euro, mit denen Gegenstände in der Größe von ca. 15 x 15 x 15 cm ausgedruckt werden können. Ja, ja, eine Werkbank, die druckt. Inwieweit der Herstellungsprozess und die Materialien unbedenklich oder gesundheitsgefährdende Wirkung haben können, ist mir nicht bekannt, auch diese Diskussion ist absehbar. Jedenfalls gibt es bereits etliche Dienstleister sowie Plattformen für Pläne und Designs, ein neuer Markt beginnt zu entstehen.

Links:
3D-Drucker werden bezahlbar
Alles über 3D-Drucker
3D-Drucker um 500 Dollar
3D-Druck im Internet

Bildnachweis: Tony Hegewald  / pixelio.de

Alternative Einkommensmodelle in der Diskussion

Reblogged from Freie Kultur und Musik:

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Es gibt mittlerweile einige interessante Einkommensmodelle für Musiker, Künstler und Blogger im Internet, die sich teilweise stark von etablierten Geschäftsmodellen in der Kulturindustrie unterscheiden und über die mehr diskutiert werden kann und müsste. Während teilweise weiterhin damit gedroht wird, dass Musiker heute im digitalen Zeitalter kein oder weniger Geld mit Musik verdienen könnten, kulturelle Vielfalt in Gefahr sei und dass die Hörer und Nutzer in der sogenannten Kostenloskultur nicht mehr bereit wären, Künstler in ihrem Kreativsein zu unterstützen, haben sich Modelle entwickelt, die zukunftsweisend sein könnten und von denen ich hier einige vorstellen möchte.

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Wie können Kreative heutzutage Einnahmen erzielen? Ist es überhaupt möglich? Welche Hilfsmittel gibt es? Sind sie ausreichend? Der Artikel stellt einige der vorhandenen Varianten dar, eine gute Grundlage für Diskurs und Gespräche.

Schach-WM 2012 Viswanathan Anand - Boris Gelfand

Reblogged from sportinsider:

Das ganz große Highlight der Schachsaison steht vor der Tür. Der Schach-WM Kampf zwischen dem Weltmeister Viswanathan Anand und Herausforderer Boris Gelfand aus Israel. Der einst in Minsk geborene  und später nach Israel ausgereiste Gelfand versucht sich an der Mission – Sturz des Titelverteidigers -. 2010 gelang dies Veselin Topalov im Schachmatch des Jahrzehnts in Sofia nicht.

Zur Einstimmung auf das Match Anand gegen Gelfand in Moskau sei auf das Interview…

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Schade, dass die Schach-WM nicht mehr jene Bedeutung hat, als Wettkämpfe noch 24 Partien umfassten oder auf unbegrenzte Zeit (sechs Siege) gespielt wurden, bis es Anfang der Neunziger Jahre zur Auflösung des damaligen Modus bzw. zum Split der Schachverbände kam. Trotzdem wäre es Zeit, dass Schachwettkämpfe wieder die Aufmerksamkeit erhielten, die ihnen zustünden. Lange Zeit war der Titel des Schachweltmeisters einer der letzten, der noch Bedeutung hatte.

Gebrauchte Software kaufen?

Na, darf man das denn? Bei gebrauchten Büchern oder Schallplatten stellte sich früher die Frage nicht, hier gilt der sogenannte Erschöpfungsgrundsatz, der die Rechte des Urhebers nach dem Verkauf einschränkt. Im digitalen Bereich werden Nutzungslizenzen verkauft, weswegen es offene und unterschiedliche Rechtsauffassungen gibt, die noch nicht gänzlich geklärt sind.

In einem Rechtsgutachten für den Europäischen Gerichtshof (EuGH) wurde jetzt festgestellt, dass der Verkauf von gebrauchter Software rechtlich zulässig ist. Selbst dann, wenn die Programme beim Hersteller (aus dem Internet) heruntergeladen werden.  Es dürfen allerdings nicht Kopien der Programme erstellt werden. In Deutschland ist zum Beispiel der Weiterverkauf von Programmen auf CDs bereits seit dem Jahr 2000 erlaubt. Ob es in Österreich davon abweichende Entscheidungen gibt, ist mir nicht bekannt.

Auslöser für das Gutachten ist ein Rechtsstreit zwischen Oracle und UsedSoft,
welche sog. Volumenlizenzen von Unternehmen kauft, aufsplittet und mit Rabatten weiterverkauft. Zum Beispiel gültige Lizenschlüssel, die vom ursprünglichen Käufer nicht mehr benötigt werden. Ein profitables Geschäft, ein potentieller Milliardenmarkt, der nicht im Interesse der Erstverkäufer ist.
Ist der Download der Software von der Webseite des Herstellers eine Vervielfältigung und damit ungesetzlich?

Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen, ein Gutachten ist noch keine Rechtsentscheidung, diese soll in der zweiten Jahreshälfte fallen, man kann gespannt sein, wie es auf diesem Gebiet weitergeht, da es Auswirkungen auch auf andere digitale Bereiche, wie eBooks oder MP3-Files, haben kann.

Quellen:

Rechtslupe, 25.4.2012
CRN, 26.4.2012
ORF, 24.4.2012
Financial Times, 24.4.2012
Financial Times – Kopf des Tages, 24.4.2012
ZDnet, 24.4.2012

Bildnachweis: Peter Röhl  / pixelio.de

Kein Monopol für eine gute Idee

Monopoly für Ideen gehört dank eines EuGH-Urteils unter bestimmten Bedingungen bald der Vergangenheit an. Es lautet:

Weder die Funktionalität eines Computerprogramms noch die Programmiersprache oder das Dateiformat, die im Rahmen eines Computerprogramms verwendet werden, um bestimmte Funktionen eines Programms zu nutzen, stellen eine Ausdrucksform dar. Daher genießen sie keinen urheberrechtlichen Schutz.

Ließe man zu, dass die Funktionalität eines Computerprogramms urheberrechtlich geschützt wird, würde man zum Schaden des technischen Fortschritts und der industriellen Entwicklung die Möglichkeit eröffnen, Ideen zu monopolisieren.

Der Quellcode ist urheberrechtlich geschützt. Die Ideen und Grundsätze, die irgendeinem Element eines Computerprogramms zugrunde liegen, einschließlich der den Schnittstellen zugrundeliegenden Ideen und Grundsätze, sind es im Sinne der Richtlinie nicht.

Das ist ein Urteil mit durchaus weitreichenden Konsequenzen für die Softwarindustrie – zu Gunsten der Verbraucher, wenn man daran glaubt, dass Konkurrenz zu besseren und günstigeren Lösungen für den Käufer und Anwender führt.

Auslöser war ein gerichtlicher Streit zwischen SAS und einer Firma namens World Programming, welche eine alternative Lösung für statistische Datenanalyse basierend auf der von SAS angebotenen Programmiersprache anbot. WP kaufte Lizenzen der Software, analysierte das Verhalten der Programme bis hin zu den verwendeten Dateiformaten und entwickelte darauf basierend eine alternative Lösung.

Polemisch formuliert bzw. leicht verständlich zusammengefasst: Wer beobachtet, dass ein Rad rollt, darf die Funktion programmieren, ohne befürchten zu müssen, von einer internationalen Drei-Buchstaben-Company vernichtet zu werden. Den Quellcode darf er nicht verwenden, dieser unterliegt Zeile für Zeile dem Urheberrecht.

Eine kluge Entscheidung, wie ich meine.

Quellen:
Pressemitteilung des EuGH vom 2.5.2012

Netzwoche, 3.5.2012

Futurezone, 2.5.2012

ORF, 2.5.2012

Bildnachweis: Fine2art  / pixelio.de

Fine2art  / pixelio.de

Lasst Gedichte regnen – Spring Poetry Rain

Am 26. Mai 2012 findet in Nikosia, der geteilten Stadt Zyperns, ein kultur- und länderübergreifendes Projekt statt. Große Ballons mit mehr als 50.000 Gedichten von Schreibenden aus der ganzen Welt werden an dem Tag ab 17:30
über der Altstadt schweben und in regelmäßigen Abständen zum Platzen gebracht – es wird Gedichte regnen.

Begeleitet wird das Programm von Lesungen und Musik. Die Veranstalter sind griechisch- und türkisch-zyprische Kulturorganisationen,  Ideogramma, (www.ideogramma-cy.com) and Sidestreets (www.sidestreets.org) sowie das  Office of the European Parliament in Cyprus (www.europarl.cy).

Individualität, Respekt, Toleranz, Menschenrechte und Zusammenleben,

Different Nationalities – Many Ethnicities – One people – One Europe – One World – Same Future

sind die Themen und Ziele der Veranstaltung bzw. der literarischen Texte.
Unter dem Motto

Nicosia is one city, Cyprus one country

soll jährlich daran erinnert werden, dass Nikosia die letzte geteilte Stadt Europas ist. Die Veranstaltung wird live im Internet (von CyTA – der zypriotischen “Telecommunications Authority”) gestreamt und soll auch von mehreren lokalen und europäischen TV-Sendern  übertragen werden.

Die “regnenden” Gedichte sind entweder in einer der vier Sprachen der Insel  – armenisch, griechisch, türkisch oder englisch – verfasst oder dahingehend übersetzt, damit sie vor Ort auch gelesen werden können.  Ein tolles Projekt und es freut mich, zu dem Event mit einem Text beitragen zu können.

Denkanstöße 2012

Der Piper Verlag hat mit seinem jährlich erscheinenden Lesebuch zu aktuellen Themen ein simples und gut funktionierendes Rezept. Er stellt jedes Jahr aus seinem umfassenden Sachbuchprogramm eine interessante Auswahl aus den Bereichen Philosophie, Kultur, Geschichte und Wissenschaft zusammen und veröffentlicht die Textauszüge unter dem Titel Denkanstöße.

So finden sich im aktuellen Jahrbuch Texte über Einstein, Nelson Mandela, Graf Moltke, über die Geschichte des Universums, Marie Curie, über Lebenslehrer und den Traum aller Pflanzenjäger. Zwölf Kapitel auf knapp 200 Seiten. Der Erfolg der Reihe liegt in der geballten und abwechslungsreichen Information. Sollte einem eines der Kapitel nicht zusagen, blättert man zum nächsten weiter, ein anderes Thema, ein anderer Autor, für jeden, der grundsätzlich an den neuesten Impulsen aus Politik oder Naturwissenschaften interessiert ist, gibt es interessante Standpunkte zu entdecken.

Natürlich könnte man die Reihe auch als gut gelungene Reklamewurfsendung zum aktuellen Buchprogramm des Piper Verlags bezeichnen. Wenn schon, das Lesebuch ist trotzdem oder gerade deswegen ein sympathischer Bestseller, der jedes Jahr interessierte Leser findet.

Die anmutige Kurve eines Marschflugkörpers

Früher war die Beschaffung von Musik ein haptisches Erlebnis. Schallplatten, auf denen das Cover wirken konnte. Mit einem Titel, den man nicht vergaß. So wie Charles Bukowskis „Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang“. Und auch heutzutage, zwischen e-books und mp3-files, kann etwas Ähnliches passieren. Die anmutige Kurve eines Marschflugkörpers, eine Sammlung von Gedichten David Lerners, die erstmals deutschsprachig übersetzt vorliegen.

die kaputten leben mit ihrer panik wie / andere mit ihrem morgenhusten // die kaputten haben tolle geschichten / alle davon wahr, gerade die lügen // die kaputten sind spannend wie verkehrsunfälle / die kaputten legen in der hölle einen wahnsinstango hin.

David Lerner, amerikanischer Lyriker, geboren 1951, gestorben 1997 an einer Überdosis Heroin, lebte für die Poesie. Er gab seine Journalistenkarriere auf, gehörte in San Francisco zu einer Gruppe von Spoken-Word-Dichtern, veröffentlichte zu Lebzeiten drei Gedichtbände und hinterließ tausende beschriebene Seiten unpublizierten Materials. ich will nichts anderes tun / als lyrik berühmt zu machen // ich will nichts anderes tun als / der sonne mein monogramm einzubrennen.

Es sind wütende Gedichte, Rocksongs, der ganz spezielle amerikanische Alptraum, der ihm Ende der Achtziger, anfangs der Neunziger begegnet. ich lebe in der 3. welt / ich lebe relativ am rand der 3. welt / ich lebe in der 3. welt in / Berkeley, Kalifornien, USA, / 1991.  Die Texte haben einen eigenen, unverkennbaren Sound, hypnotische Zeilen, rhythmisch gehämmert.

ich war so traurig, dass ich aufhörte zu träumen // ich war so traurig / dass ich die treppen hinunterstolperte / und an jeder unebenheit funken schlug // ich war so traurig / dass es auf dieser wilden erde nichts gab, was mich // schlafen lassen konnte. Er packt die Welt in seine Texte und sich selbst dazu, so wie man Diamanten macht, unter Druck gesetzt, wie gemacht, um Schatten zu schneiden.

Er sägt sich durch Fernsehbilder und Straßenszenen, Nachrichtenfetzen, clipartige Momentaufnahmen, denen er seine Lyrik entgegen wirft, kurze Strophen, welche nie den Boden verlieren, Schicht für Schicht aneinander gefügt. Die Texte sind frisch, wie eben erst entstanden, eine Zeitreise in die Gegenwart.

Die Übersetzung, von Ron Winkler, Leonce-und-Lena-Preisträger, vorgenommen, wird zweisprachig präsentiert, was den Vergleich von Original und erfolgter Nachdichtung möglich macht. Im Verlag des Poetenladen, einer der zentralen Plattformen für Lyrik, ist die Zusammenstellung 2008 publiziert worden, was den Herausgebern, die damit zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum auf David Lerner aufmerksam machen, hoch anzurechnen ist.

Denn poesie schert sich nicht um ruhm / ruhm ist nett, aber für die poesie ist er der / nachtisch. Ein Dessert, das sich in diesem Fall lohnt.


David Lerner
Die anmutige Kurve eines Marschflugkörpers

Gedichte (deutsch/englisch)
Übersetzt von Ron Winkler
poetenladen, Leipzig 2008
144 Seiten, 12 Euro
ISBN 978-3-940691-04-0

Bildnachweis: poetenladen.de