Slbermedaille für Graham Greene

Manche Menschen sind für das bekannt, was sie nicht erreicht haben. Karl Schranz zum Beispiel, dreifacher Weltmeister und zweifacher Weltcup-Gesamtsieger,  gewann niemals bei den Olympischen Spielen. Er musste krank antreten, wurde als bereits vermeintlicher Goldmedaillensieger disqualifiziert oder gar nicht zu den Spielen zugelassen, weil er bei einem Benefiz-Fussballspiel Werbung für Kaffee machte. Ich erinnere mich noch, wie ich als Siebenjähriger den damals als solchen empfundenen Betrug miterlebte.

Ähnlich erging es Graham Greene, die meisten kennen seinen Namen in Zusammenhang mit Unser Mann in Havanna, erfolgreicher Schrifsteller, jahrzehntelang als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Fünfzig Jahre nach der Verleihung der Preise werden jeweils die Protokolle der Schwedischen Akademie veröffentlicht. So wissen wir seit wenigen Tagen, dass er damals, dreißig Jahre vor seinem Tod, wirklich in der engsten Auswahl war, vor Karen Blixen, aber hinter Ivo Andric, der gewann. Graham Greene ist für viele Bücher berühmt und wird es bleiben, Nobelpreis hin oder her.

Allerdings macht genau das den Reiz von solchen Preisen aus,  ihre Vergabe ist nie gerecht, obwohl zwischen Klagenfurt, Stockholm und Leipzig natürlich das Gegenteil behauptet wird und nur rein objektive Kriterien den Ausschlag geben. Was sonst.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 4.1.2012

Bildnachweis: Kerstin Siebers / pixelio.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: