Nur noch Protest

In Wien-Hernals wird eine vierstöckige Tiefgarage geplant, Anrainer und Kaufleute freuen sich, die Parkplatznot im 17. Wiener Gemeindebezirk empfinden sie als wesentlich, ein Manko, für das die Bezirksvertretung eine Lösung hat. Allerdings im Innenhof einer Schule. Ja, richtig gelesen.

Der Schulhof des Gymnasiums Geblergasse soll zur Baustelle werden, für mindestens achtzehn Monate, möglicherweise für zwei Jahre, für 250 Parkplätze. Bauschutt, Lärm, Dreck, Staub, Erdaushub, Betonfüllungen, schwere LKWs, mindestens fünfzehn gefällte Bäume, dort wo ein Pausenhof mit Sportplatz von den Lehrern für die Nachmittagsbetreuung im Tagesschulheim genutzt wird.

So sollen, beginnend im Sommer 2012, junge Menschen, Kinder und Jugendliche, lernen, Schularbeiten schreiben und zur Matura antreten, zwei Jahre sind dafür eine lange Zeit, den Begriff Bildungsnotstand werden sie im Gedächtnis behalten. Eltern, Schüler und Lehrer sind daher dagegen, sie wurden nicht gefragt, haben keine Anrainerrechte, eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, es gibt Proteste, Demonstrationen, Gutachten, Gegendarstellungen, Widerstand. Die Bezirksvertretung trommelt und wirbt für den Bau, die umliegenden Anrainer im Umkreis von 300 Metern wurden befragt und waren mehrheitlich dafür. Eine verfahrene Situation.

Welche Meinung haben in dem Konflikt die Schulbehörden, dafür angestellt und bezahlt, um  bestmögliche Ausbildung unserer Kinder zu ermöglichen? Bisher war es nicht bekannt, sie schwiegen und hielten sich bedeckt, die Wiener Zeitung führte daher ein Interview mit der Stadtschulpräsidentin, Frau Susanne Brandsteidl, aus dem ich zitiere.

„Ich habe das Gefühl, dass momentan nur noch protestiert und nicht unterrichtet wird. Mein Interesse ist, dass der Schulbetrieb aufrechterhalten bleibt.“, sagt sie. Dieser leide nämlich massiv unter den Protesten – damit die Betroffenen „wieder zu einem normalen Leben und Unterricht finden“, müsse man sich endlich Alternativen überlegen. Etwa, „die Schule auszulagern“, meint sie gar.

Es seien die Proteste, gegen die man etwas unternehmen müsse. Denn: „Was machen die erst, wenn die Bagger wirklich da sind?“

Pause. Nochmal lesen. Das steht wirklich dort. Bedeutet Containerklassen, damit sind Baucontainer gemeint, euphemistisch als mobile Klassen oder Pavillons bezeichnet und bunt angemalt, laut Presse vom 2.9.2011 gab es 214 solcher Containerklassen in Wien, da fallen wohl 26 weitere nicht ins Gewicht.

War wahrscheinlich nicht so gemeint, ein missverstandenes Zitat, falsch verstanden, nein, keine bestehende Planung, nein, sicher nicht, das würde ja die Menschen wütend machen, das wolle man doch nicht.

Gegen die Proteste müsse man etwas unternehmen.
Stell dir vor, die(!) protestieren weiter.

Na, werden sie wohl. Ganz sicher sogar. Und darin sollte man sie unterstützen. Ist nämlich ihr gutes Recht. Ist unser gutes Recht und nennt sich Demokratie. Als ich ein Kind war, im Jahr 1973, musste übrigens der Wiener Bürgermeister, Felix Slavik, zurücktreten, weil er die Initiative um den Sternwartepark ignorierte und „drüberfahren“ wollte.

Ja, das wäre noch eine Möglichkeit. Der Bürgermeister. Er könnte ein Machtwort sprechen,  eine Pause ausrufen, eine Kommission gründen, das Projekt unauffällig verschleppen, Prioritäten neu ordnen, was weiß ich. Er könnte eine typische österreichische Lösung ohne Gesichtsverlust anordnen. Für die Kinder des Gymnasiums Geblergasse, für ein gutes Foto im nächsten Wahlkampf, weil Barbara Tuchman und die Torheit der Regierenden hier nichts zu sagen haben. Jetzt ginge es noch.

Quellen:
Wiener Zeitung, 19.1.2012
Die Presse, 2.9.2011
Bürgerinitiative www.rettetdenschulhof.at

Bildnachweis: http://www.rettetdenschulhof.at, Presse und Fotos

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2 Kommentare

  1. […] sich informieren möchte, worum es geht, kann meinen früheren Artikel dazu lesen oder http://www.rettetdenschulhof.at besuchen. Oder noch besser: am 1. Februar um 14 Uhr am […]

  2. […] Rathaus, um dem Bürgermeister in einer großen Demonstration deutlich zu zeigen, dass sie die geplante Garage im Schulhof nicht […]

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