Van Halen – A Different Kind of Truth

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich zum ersten Mal in einem Second-Hand-Laden Schallplatten kaufte, eine besondere Initiationserfahrung für Sammler von Musik. Es war in der Zollergasse im siebenten Bezirk, bevor später die Otto-Bauer-Gasse mein Hauptstützpunkt wurde, als ich 1980 Van Halen I und das Live-Doppelalbum Bootleg von Aerosmith erwarb, auch aus heutiger Sicht noch eine gute Wahl.

Die ersten beiden Van Halen-Alben hatten auf Vinyl einen ganz besonders guten Klang, so wie Led Zeppelin I, von der ich das Glück hatte, sie in einer schweren Pressung zu kaufen, was dem Sound höchst zuträglich war. Bob Seegers Stranger in Town klang sogar auf meinem durchschnittlichen Plattenspieler hervorragend und auch mit einer rosa Version von Animals (Pink Floyd), die leider etwas empfindlich knisterte, hatte ich in den Jahren danach große Freude.

Mit dem Älterwerden brechen Lieblingsbands auseinander, tolle Musiker sterben viel zu früh, manche von ihnen konnte ich nie live sehen, Lücken, die nicht mehr zu schließen waren. Um so erfreulicher ist es, wenn scheinbar nicht mehr mögliche Konstellationen doch wieder zusammenfinden. Das Familienunternehmen Van Halen hat gemeinsam mit David Lee Roth eine CD aufgenommen, A Different Kind Of Truth, das beste Comeback-Album seit Perfect Strangers von Deep Purple.

Die Scheibe klingt so frisch, als wenn wir Ende der Siebziger oder Anfang der Achtziger schrieben, sie setzen unmittelbar dort fort, wo sie sich musikalisch vor ihrem größten Triumph (1984, mit Jump und Panama) ausgetobt haben. Eddie van Halen behandelt seine Gitarre soundtechnisch wie gehabt, David Lee Roths Stimme hat trotz seiner 57 Jahre scheinbar wenig an Kraft und Bandbreite eingebüsst. Neben Eddies Bruder Alex am Schlagzeug gibt es leider einen kleinen Wermutstropfen, Michael Anthony, der Bassist der Originalbesetzung, wurde inzwischen durch Eddies zwanzigjährigen Sohn Wolfgang van Halen ersetzt (er spielte bereits vor ein paar Jahren mit ihnen auf Tournee!), was sich musikalisch aber nicht negativ auswirkt.

Michael Anthony spielt inzwischen in einer anderen Supergroup, Chickenfoot, mit Sammy Hager als Sänger (unter anderem auch Ex-Van Halen, das Album OU812 kann ich in der Zusammensetzung besonders empfehlen), Joe Satriani an der Gitarre(!), und Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers an den Drums, eine Band, welche die Bezeichnung Supergroup also wirklich verdient.

Kehren wir zurück zum erfreulichen A Diffent Kind of Truth, zum Reinhören bieten sich die ausgekoppelte Single Tattoo, She’s a Woman (der Song war bereits auf dem 1976 von Gene Simmons produzierten Demoband enthalten), Stay Frosty, Big River und  Beats Workin’ an.

Dem Album hört man die Spielfreude an, es fehlt der ganz große Hit, aber der könnte ja noch bei einem eventuell nachfolgenden Zweitschlag entstehen. Was ich mir noch wünsche? Dass sie zusammenbleiben und live in Wien spielen. Und Chickenfoot könnten uns natürlich  genauso mal besuchen kommen, wäre für beide höchste Zeit.

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