Freie Kultur

Um die gegenwärtigen Diskussionen und unterschiedlichen Standpunkte zum Urheberrecht besser verstehen zu können, möchte ich das 2004 von Lawrene Lessig erschienene Buch Freie Kultur (How Big Media Uses Technology and the Law to Lock Down Culture and Control Creativity) zum Lesen empfehlen. Es ist längst zum Standardwerk für Copyright-Interessierte avanciert, das vor möglichen und bestehenden Einschränkungen und Kontrollversuchen durch große Medienunternehmen warnt.

Er zeigt anhand der Entwicklung des amerikanischen Copyrights, das sich übrigens stark von der kontinentaleuropäischen Variante des Urheberrechts unterscheidet, wie die heute als legal auftretenden Konzerne einst selbst von damaligen Regelungen profitierten, die sie heute am liebsten neu am Markt entstehenden Konkurrenten verbieten würden, und wie sie damals bestehende Regeln gebrochen haben, um in ihre heutige Machtposition zu gelangen.

Walt Disney plünderte den modernen Märchen- und Mythenschatz, und verkaufte damit erfolgreich Zeichentrickfilme, das aufkommende Radio stellte die bestehenden Systeme der Bezahlung von Komponisten und Künstlern auf den Kopf, bevor sie technische Konkurrenten, wie das frequenzmodulierte Radio, an der Ausbreitung zu hindern versuchten.  Kabelfensehbetreiber, welche gratis Content weiterreichten, wurden über viele Jahre verteufelt und geklagt, bevor die Hersteller von Videocassettenrecordern zum Angriffsziel mutierten.

In vielen Fällen gelang der Ausgleich durch den Gesetzgeber, welcher für Ausgewogenheit sorgte und neue Regelungen einführte, was ein Anliegen von Lawrence Lessig ist, der aufzeigt, wie sehr dieses Gleichgewicht zwischen Recht, Normen, Markt und Architektur in den letzten Jahrzehnten verloren ging. Er plädiert nicht für Freibier, wenn er von einer freien Kultur spricht, sondern für Regelungen, die es Kreativen ermöglichen, weiter auf Bestehendem aufzubauen und Wiederverwendungen zu ermöglichen, ohne dafür unverhältnismäßig juristisch belangt zu werden.

Eine Kultur kann nur dann lebendig bleiben, wenn Nutzungsrechte nicht auf ewig monopolisiert und laufend verlängert und somit quasi unbegrenzt eingefroren werden. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lag in Amerika die Dauer des Copyrights bei 14 Jahren, im deutschsprachigen Raum bei 30 Jahren. Wann immer in den letzten Jahrzehnten große Medienkonzerne befürchten mussten, ihre Dauereinnahmen zu verlieren, lobbyierten sie für Verlängerungen der Schutzfristen. Die Kreativen, die Künstler und eigentlichen Urheber, profitieren von diesen Regelungen nur begrenzt, werden aber als Bauernopfer voran in die Urheberschlacht geschickt, um den Inhabern der in historischen Zeiten entstandenen  Nutzungsverträge ihre Pfründe weiter zu sichern.

Wer das Buch lesen möchte, muss es nicht kaufen, er kann es offiziell herunterladen oder online lesen, ohne sich einer sogenannten Urheberrechtsverletzung schuldig zu machen:

https://www.opensourcepress.de/freie_kultur/ 

Quellen:
Lawrence Lessig, Wikipedia
Freie Kultur Wikipedia

Bildnachweis: https://www.opensourcepress.de/freie_kultur/ (Creative Commons)

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