Von Kopien in Kindergärten und Hintergrundmusik in der Zahnarztpraxis

Als ich vor weniger als drei Monaten mit diesem Blog begann, wusste ich selbst noch nicht, dass ich mich so viel mit dem Urheberrecht beschäftigen würde. Hätte ich mir niemals vorgestellt und ist geschehen, man weiss oft selbst nicht, wohin die eigene Aufmerksamkeit einen lenken wird.

So fand ich heute einen Bericht über einen Rechteverwerter, der Abgaben für das Abspielen von Musik in einer Zahnarztpraxis forderte. Der Europäische Gerichtshof musste darüber entscheiden, ob eine Zahnarztpraxis als Öffentlichkeit zu betrachten und damit Zahlungen dafür zu entrichten sind.
Das Gericht entschied für Hintergrundmusik bei Zahnärzten, da durch sie nicht die Zahl der Patienten erweitert werde und sie nicht zu einer Erhöhung der Preise führe. Werden jetzt probeweise alle möglichen Lokalitäten durchgeklagt? Wirtshäuser, Jeansläden oder Installateure? Ist das zu abwegig?

Abwarten, ich habe noch ein Beispiel. Belgische Bibliotheken sollen beispielsweise Urheberrechtsabgaben zahlen, wenn sie Vorlesestunden für Kinder veranstalten. Für das Vorlesen von Büchern in Lesezirkeln sollen jährlich 250 EUR gezahlt werden. Ich weiß nicht, ob die dortigen Bibliothekare dafür ehrenamtlich arbeiten müssen oder für ihr Engagement und eventuell anfallende Überstunden bezahlt werden. Ist es nicht allgemeine Wehklage, dass Kinder zwischen Spielkonsolen und YouTube keine Zeit mehr zum Lesen finden? Sollte so ein Alternativprogramm nicht unterstützt und gefördert werden? Ist ein solches Vorgehen wirklich im Interesse jener Autoren, deren Bücher dort vorgestellt werden?

Ich bin dafür, dass Urheber für ihre Werke bezahlt werden, dass sie bei kommerziellen Verwertungen eine faire Entlohnung für ihre Arbeit und ihre Leistung erhalten. Ich bin nicht dafür, dass jede halbprivate Nutzung als Verbrechen erachtet und bestraft wird. Urheber sollten auch froh sein, wenn für sie geworben wird!

Nach bestehendem und angewendetem Urheberrecht hätte die Pop-Art eines Andy Warhol nicht entstehen können. Van Goghs soll sich an Arbeiten des japanischen Holzschnittmeister Hiroshige orientiert haben, Bach für seine Brandenburgische Konzerte auf den Violinkonzerten Vivaldis aufgebaut haben. Über diese Beispiele könnte man trefflich streiten!

Verstörend finde ich jedenfalls Aktionen wie jene, bei denen 2010 die GEMA (deutsche Gesellschaft für musikalische Aufführung- und mechanisches Vervielfältigungsrecht) von Kindergärten Lizenzgebühren für das Kopieren von Kinderliedtexten und Notenblättern verlangte. Ich glaube nicht, dass deswegen weniger Liederbücher verkauft werden, was wohl die Argumentation für das Vorgehen sein dürfte.

Also, passt in Zukunft genau darauf auf, welche Kopien eure Kinder nach Hause bringen, sonst werdet ihr auch noch deswegen verklagt!

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