Welche CC Lizenz?

Für die Veröffentlichung meiner eBooks unter einer Creative Commons Lizenz hatte ich die gar nicht so einfache Frage zu klären: welche von den sechs Möglichkeiten soll ich wählen?

Kur noch mal zur Erinnerung, folgende Möglichkeiten gibt es

Namensnennung
Namensnennung – keine Bearbeitung
Namensnennung – keine kommerzielle Nutzung
Namensnennung – keine kommerzielle Nutzung – keine Bearbeitung
Namensnennung – keine kommerzielle Nutzung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Obwohl ich Gedichte schreibe und damit – naturgemäß hätte Thomas Bernhard gesagt – im Vergleich mit Verfassern von Krimis und erotischen Vampirromanen zuweilen als literarisch-ökonomischer Underdog betrachtet werde,  war für mich sofort klar, dass NC, nicht-kommerzielle Nutzung, für mich trotzdem unverzichtbar ist. Womit zwei ernsthafte Varianten übrig blieben:

Namensnennung – keine kommerzielle Nutzung – keine Bearbeitung
Namensnennung – keine kommerzielle Nutzung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Jede von beiden hat ihre Vor- und Nachteile.

Keine Bearbeitung hat insbesonders für einen Lyriker großen Charme. Beim Verfassen eines Gedichts kommt es auf jedes Wort, jeden Tonfall, jeden Zeilenumbruch an. Ungeeignete Veränderungen können für den Text tödlich sein.  Eine Erzählung hält den einen oder anderen schlechten Satz aus. Für ein Gedicht ist ein solcher Luxus undenkbar.

Eine sichere Variante, nachvollziehbar, verständlich, klar abgegrenzt.

Die andere Variante ermöglicht, dass jemand etwas Positives mit dem Text macht. Das eBook in ein anderes Format konvertiert. Es mit einem geeigneteren Cover kombiniert (ich bin kein Grafiker!). Möglicherweise ein oder mehrere Gedichte in eine andere Sprache übersetzt, was für mich persönlich eine besonders aufregende Angelegenheit wäre. Und selbst zum kostenlosen Download anbietet.

Vielleicht will sich jemand sein persönliches Best-Of zusammenstellen und es anderen zur Verfügung stellen können(„dieses Tape oder diese Cassette musst du dir anhören, von diesen Gedichten möchte ich, dass du sie  liest“). Ja, es könnte mit den Texten auch jemand ein MP3 aufnehmen oder einen Lyrik-Clip basteln wollen. Mit der Auflage, dass er damit keinen kommerziellen Zweck verfolgt und es nur unter der gleichen Lizenz weitergeben darf.

Naürlich möchte ich nicht, dass jemand die Texte verhunzt, Teile aus dem Zusammenhang reißt, sodass sie falsch verstanden werden könnten.
Wenn sie jemandem nicht gefallen, ist es sein/ihr gutes Recht, dann lasst aber bitte auch die Finger davon. Seid fair, ich riskiere etwas, damit andere meine Texte lesen können, egal wo auf der Welt sie gerade sitzen, stehen oder leben. R-E-S-P-E-C-T, hat Aretha Franklin gesungen und ihr 70. Geburtstag ist ein absolut guter Grund an diesen Song zu erinnern.

Es ist die ewige Geschichte mit dem halbvollen und dem halbleeren Glas. Man kann sich zu Tode fürchten oder die Chancen sehen. Im Zweifelsfall versuche ich nach vorne zu sehen und mich für das zu entscheiden, was mir mehr Möglichkeiten bietet.

Noch etwas zur nicht-kommerziellen Nutzung. Die derzeit übliche Bestimmung kann ich nicht zu 100% befürworten. Sie besagt nämlich, dass ein Angebot auf einer Website mit Werbebannern bereits als kommerzielle Nutzung gilt. Das halte ich nicht für perfekt. Nur weil jemand auf seinem privaten Blog, auf seiner privaten Homepage, das eine oder andere Werbebanner verwendet: damit wird er nur sehr, sehr wenig einnehmen.

Ich hielte es für gescheiter, zwischen direkter und indirekter kommerzieller Nutzung zu unterscheiden. Wenn jemand Werbung mit einem Bild macht, dessen kommerzielles Nutzungsrecht jemandem anderen gehört, wenn er die Kopie eines Werks verkaufen will, ohne die Rechte für den Verkauf zu haben: das gehört verboten (Achtung: unter Creative Commons zu veröffentlichen, bedeutet nicht, ein weltfremder Altruist zu sein, der alle ihm zustehenden Rechte wegwirft!).

Eine private Webseite mit ein paar Werbebannern, die keine grundsätzliche kommerzielle Absicht verfolgt, sollte man meiner Meinung nach nicht verfolgen. Wenn die Homepage eine kommerziellen Zweck verfolgt, ist das schon etwas anderes. Andererseits: wenn sie aus dem Werk selbst keinen direkten Nutzen zu ziehen versucht, beipielsweise sie verkauft, um jetzt irgendein Beispiel zu nennen, Poster, und stellt auf einer Unterseite ein BY-NC-SA Werk zur Verfügung, ist das für mich auch keine Verwendung, die NC widerspricht. Hier sind natürlich Extremfälle denkbar, die sehr wohl versuchen könnten, aus dem Angebot Nutzen zu ziehen, aber das ist dann wirklich ein Fall für Juristen.

Ich freue mich jedenfalls, wenn jemand Werbung für mich macht.  Aufmerksamkeit ist niemals  selbstverständlich. Als Autor muss man um jeden Leser kämpfen. Und das tue ich, weil jeder Leser meiner Arbeit Sinn gibt.

In diesem Sinn: Have Fun, live long and prosper.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: