Wachstum

Wie soll man der Wachstumsspirale entgehen, die das Denken und Verhalten der westlichen Kultur prägt? Dem Hinterherlaufen nach unaufhörlicher  Steigerung und Ausdehnung, ohne die Glück als nicht vorstellbar erscheint. Der Freiheit von Kaufentscheidungen zwischen Reklame und Besitzgefühl.

Seit dreißg Jahren besitze ich einen Computer, den ich regelmäßig aufrüsten oder austauschen muss, um Basisaktivitäten nachgehen zu können. So stand ich nun wieder vor der Wahl, was ich mit meinem sieben Jahre alten Notebook, das als Zweitgerät dient, anfangen sollte. Wegschmeißen, aufrüsten, durch ein Neues ersetzen? Testberichte studieren, darauf hin meine Anforderungen sukzessive zu steigern und den diversen Kriterien der Empfehlungen anzupassen? Und somit paar hundert Euro auszugeben, die nicht wirklich notwendig sind. Windows hatte ich auf dem Gerät bereits neu aufgesetzt, schneller wurde der alte Esel (mein Laptop) dadurch nicht.

Vorher wollte ich etwas ausprobieren. Ob Linux inzwischen doch für den Einsatz im privaten Haushalt reif genug sei. Bei meinem letzten Versuch vor ein paar Jahren scheiterte ich noch daran, dass es für meinen 08/15-Drucker keinen passenden Druckertreiber gab, was mich die Installation wieder löschen ließ.

Ich entschied mich für eine Ubuntu-Distribution, genauer gesagt Linux Mint, welche den kitzekleinen Vorteil bietet, dass alle notwendigen Multimedia-Codecs bereits vorinstalliert sind. Nachdem ich keine Oberfläche mit 3D-Effekten, Rendering, Widgets und dergleichen brauche, sondern eine, die es mir ermöglicht, meine benötigten Programme ohne viel Firlefanz zu starten, nahm ich die LXDE Distribution/Oberfläche, welche besonders für alte PC’s geeignet ist. Sie braucht noch etwas weniger Ressourcen als XFCE, welche ebenso für ältere PCs gedacht ist, die allerdings in der Linux Mint Version eine rollierende Version ist (Basis Debian), sprich laufend Updates erfolgen, was ja theoretisch schön ist, in der Praxis aber eventuell auch zu Instabilität führen kann.

Installation war easy, einfach durchclicken und ich hatte sofort ein funktionierendes System, mit installierten Programmen für alle Anwendungszwecke, für Surfen, E-Mail schreiben, Textverarbeitung,Tabellenkalkulation, Foto, Musik, Video, inclusive Brennprogramm, sprich alles, was das Herz begehrt. Mit ausgewählten Programmen, welche auch bei schwacher Hardware funktionieren. Na, gut, mit dem wollte ich mich nicht zufrieden geben. Abiword schaut aus wie Word 2003 und auf den ersten Blick hat es die gleichen Funktionen, aber natürlich rüstete ich gleich auf. Über die integrierte Softwareverwaltung kam per Knopfdruck Libre Office dazu, Opera, Chromium (ist quasi Chrome), Evopedia, eine Offline Version der Wikipedia, weiters Programme mit ähnlichen Funktionen wie Visio oder MS Project, Schachprogramme, Schachdatenbanken, Calibre für die Verwaltung und Umwandlung von Ebooks. Und die 60 GB Festplatte war immer noch nicht voll, meine wichtigsten Daten konnte ich noch raufspielen, ohne unter Platzangst leiden zu müssen.

So, eine wichtige Anforderung musste noch erfüllt werden. Drucken im WLAN-Netz. Hm, Einrichtung klappte nicht. Kurze Suche im Internet und ich wurde fündig. Ein Script, welches die Installation für meinen Drucker automatisch vornehmen konnte, ohne dass ich seitenweise Shell-Scripts abschreiben (natürlich kopieren) musste. Und es funktionierte! Herzlichen Dank an den Verfasser von mp620-630univ! Natürlich gab es zwischendurch auch kleinere Schwierigkeiten. Programme, die sich nicht automatisch im Menü oder am Desktop installieren ließen oder die nicht in der Paketverwaltung integriert waren und die ich manuell zum Laufen bringen musste. Mit Hilfe von Google kann man diverse Kommandozeilenbefehle anwenden, ohne genau zu wissen, was man da tut. Die Schwierigkeiten sind lösbar, wenn man lesen und ein bisschen computeraffin ist.

Aber waren meine Probleme damit behoben? Kann ich mit dem Gerät wieder arbeiten? Ein großes JA in Blockbuchstaben, Hochfahren geht flott und die Kiste läuft wie ein Glöckerl. Libre Office oder Gimp (komplexe Fotobearbeitung) starten schnell, schneller als zuvor. Sogar das Kopieren von Dateien braucht weniger lang, sprich mein alter Laptop, den ich fast schon der Dritten Welt spenden wollte, macht wieder Spaß, ich habe Geld gespart und lerne mit der Verwendung von Linux gleichzeitig etwas dazu. Was will man mehr. Ubuntu ist ein tolles Projekt.

Bildnachweis:
Linux Mint Blog
wikimedia.commons.org, Urheber: Larry EwingSimon BudigAnja Gerwinski

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