Kindle 4

Ich hatte einen Amazon-Geschenkgutschein, den ich einlösen wollte, und entschied mich für einen Ebook-Reader für unterwegs, den ich auch im Sommer bei Sonnenlicht verwenden kann, der klein, leicht und einfach zu bedienen ist, für den Kindle 4. Ganze 170 Gramm schwer, mit einem hervorragendem Display, das alle LED-Schirme dieser Welt mit schuldbewusstem Nicken verblassen lässt.

Klingt nach Werbung. Leider bezahlt mich Amazon nicht, das Produkt ist so gut, dass ich sogar unentgeltlich darüber schreibe. Ich mag Geräte, die nicht alles können, von Schafwolle scheren bis Eierschalen ritzen, sondern nur jene Funktionen erfüllen, für die sie gedacht sind. In diesem Fall: zum Lesen elektronischer Texte. Ohne ein Benutzerhandbuch für Tastenkombinationen oder versteckte Menüpunkte zu benötigen. Mobiler Spaß garantiert, alle paar Wochen wird eine Steckdose benötigt, man fühlt sich fast an selige Vor-Smartphone-Zeiten erinnert, als der Gang zum Ladegerät noch nicht zum regelmäßigen Nomadenritual des 21. Jahrhunderts gehörte.

Die original angebotene Kindle-Hülle gefiel mit nicht, da sie kein Gummiband zur Fixierung besitzt, mit dem ich sicherstellen kann, dass in der Umhängetasche nicht ein Kugelschreiber zwischen Hülle und Bildschirm gerät. So bestellte ich eine schwarze Hülle von Gecko Covers, 84 Gramm schwer, welche das Gerät platzsparend und sicher schützt, ohne das Transportgewicht unnötig zu erhöhen (und billiger war sie auch).

Das Gerät macht Spaß und Freude, sieht schick aus, ist wertig verarbeitet, lauter Killerkriterien für Geist und Gemüt. Wer Angst davor hat, sich ans Amazon-Imperium zu binden, dem sei versichert, dass mittels Calibre, einem PC-Programm zur Verwaltung und Konvertierung von ebooks, diese Hürden, sofern nicht DRM-bedingt, problemlos bewältigbar sind. Für die Umwandlung von PDF-Dateien gebe ich den Tipp, einmal den Mobipocket Creator (die Firma wurde von Amazon aufgekauft,  möglicherweise die Grundlage für ihr AZW-Format) zu versuchen, der meiner Meinung nach noch bessere Resultate erzielt.

Was könnte Amazon noch besser machen? Bei kritischer Betrachtung finde ich nur drei Themen:

1) Das epub-Format verarbeiten zu können
2) PDF-Reflow, also den automatischen Umbruch, wie es zB. Sony beherrscht, denn für PDF bräuchte man ansonst einen Bildschirm, der weitgehend A4 entspricht. Sechs Zoll sind für PDFs definitiv nicht geeignet,  Zoomen und Lesegenuss stehen zueinander in unauflöslichem Widerspruch.
3) Eine bessere Lösung zur Vewaltung der Sammlungen (Collections), also sprich der thematischen  Gruppierung der ebooks am Gerät. Zum Besipiel mittels der Kindle Reader-App, mit der eine solche Verwaltung komfortabel unterstützt werden könnte. Als Beispiel für eine solche Lösung könnte zB. der Colegate Kindle Collection Manager sein.

Lieber Jeff Bezos, motze das Gerät bitte nicht mit Kartenpatiencen oder Jump and Run Spielen auf, integriere keine Kalender- oder Datenbankfunktionen, lass es nicht zu einer Business Intelligence Lösung mutieren, ein gutes Produkt kann ansonst nur verschlimmbessert werden.

Übrigens, ich glaube nicht, dass elektronische Bücher die Gutenbergwelt verdrängen werden. Ich möchte weiterhin schöne Bücher mit gutem Papier und sorgfältig gewählter Schriftart lesen. Ich bin für Co-Existenz, je nach Anwendungszweck, für die Vielfalt der Arten, für die Möglichkeit, elektronische Unterlagen oder Texte auf einem vernünftigen Bildschirm lesen zu können, gegebenenfalls ein Buch am Abend oder Wochenende online kaufen und eine Minute später mit dem Lesen beginnen zu können. Vergesst nicht, auch die Kalligraphen haben sich einst gegen den Druck beweglicher Lettern gewehrt. Und davor haben bereits die Steintafelproduzenten das Monopol ihres Markts zu bewahren versucht. Nicht jedes Buch möchte ich auf ewig im Buchregal stehen haben, besonders wichtige allerdings schon.

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