Gratis eBooks durch Werbung finanziert

In vielen Städten gibt es schon Gratiszeitungen, die in U-Bahn-Stationen aufliegen und deren Geschäftsmodell darin besteht, Einnahmen durch Inserate zu generieren.  Das Gratisangebot soll zu Reichweite führen, welche für die Inserenten relevant und interessant ist.

Nachdem laut Chris Anderson (Free) die Grenzkosten im Web gegen Null tendieren, ist es ein naheliegender Gedanke, eine solche Idee auf kostenlose eBooks zu übertragen. Der bookboon-Verlag bietet 1.500 eBooks aus den Bereichen Studium, Business und Reiseführer im PDF-Format gratis an. Zielgruppenorientiert für Studenten und Young Professionals werden Themen für den Verlag exklusiv von Professoren, Experten und Beratern verfasst. 2011 gab es bereits zwei Millionen Downloads im deutschsprachigen Raum. Um das Angebot nutzen zu können, muss man sich nicht registrieren, es genügt einmalig eine E-Mail-Adresse bekannt zu geben. Alle drei bis vier Seiten befindet sich im Text ein Inserat, sogenannte Employer-Branding- und Recruitment-Anzeigen.

Inwieweit die Qualität der Bücher für den jeweiligen Nutzer ausreichend sind, wird vom jeweiligen Anspruch und Background abhängen. Die Beispiele, die ich mir angesehen und inhaltlich beurteilen konnte, vermittelten mir den Eindruck, dass sie für Gewinnung eines ersten Überblicks zu einem bestimmten Thema durchaus ausreichend und fundiert sein könnten. Wobei ich mich allerdings frage, wann sich sich ein findiger Kopf findet, der eine kleine Freeware programmiert, die als „Webwasher“ (Werbeblocker) funktioniert, Werbung aus den Büchern eliminiert und aus dem eBook ein werbefreies PDF generiert, wodurch der dänische Verlag Bookboon mit seinem Geschäftsmodell ein Problem bekommen könnte.

Die für mich noch spannendere Frage ist, inwiefern ein solches Modell auf Literatur umzulegen wäre. Sind Krimis zu erwarten, in denen Product Placement geschieht, so wie in Hollywood gang und gäbe? Der Privatdetektiv, der eine zahlende Cognacmarke präferiert? Ein Mord, der in einem bestimmten Dorf spielt, gesponsert von der Gemeinde, um den Fremdenverkahr anzuregen, mit Inseraten im Buch, vom lokalen Fleischhauer oder Schnapsbrenner, ergänzt durch Anzeigen für Sterbeversicherungen und Sicherheitstüren? Eine neue Marktlücke für Autoren, die über diesen Umweg Einnahmen generieren, ihren Content gratis zur Verfügung stellen, um Aufmerksamkeit zu erzielen, an der Grenze zwischen Auftragsarbeit und Selbstvermarktung? Im Web 2.0 ist alles möglich.

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