Lesefutter II

Heute möchte ich wieder auf ein paar Werke aufmerksam machen, deren Autoren bereits mehr als siebzig Jahre tot sind, und damit nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen. Ihre Texte können kostenlos sowie legal im Internet zur Verfügung gestellt und auf den eBook Reader geladen werden.

Egon Friedell, der am 16. März 1938 aus dem 3. Stock seines Wohnhauses in der Getzgasse 7, im 18. Wiener Bezirk, sprang, als SA-Männer ihn abholen wollte, und die Passanten vor seinem Toessprung noch mit den Worten „Treten Sie zur Seite“ warnte. Kulturgeschichte der Neuzeit, sein magnum opus, ein Essay, der seinesgleichen sucht, mehr als 1.500 Seiten Umfang, über die Geschichte der abendländischen Kultur, vom Mittelalter bis in die unmittelbare Zeit vor dem ersten Weltkrieg, ist eines der beeindruckendsten Bücher, das ich jemals gelesen habe. Eine derartige Fülle von Wissen, stilistisch großartig formuliert, bedarf selbst für Schnellleser schon eines ausgedehnten Aussteigerurlaubs, um in einem Zug durchgelesen werden zu können.

Oswald Spengler, 1936 verstorben, hat mit Der Untergang des Abenlandes, ein ähnlich intensives Werk verfasst. Der erste Teil erschien 1918 und sein Titel wurde somit zu einem Synonym für seine Zeit und oft missverstanden. Er sah Geschichte nicht als lineare Fortsetzung, sondern als zyklische Aufeinanderfolge verschiedener Hochkulturen. Gedanken, an die zum Besipiel Arnold J. Toynbee (verstorben 1975, damit erst ab 2046 urheberrechtsfrei) mit Der Gang der Weltgeschichte: Aufstieg und Verfall der Kulturen anknüpfte.

Niccolò Machiavelli, der von 1469 bis 1527 lebte, ist ein gründlich missverstandener Philosoph mit unberechtigt schlechtem Ruf. In Il Principe (Der Fürst) beschreibt er, wie ein Herrscher handeln muss, um erfolgreich zu sein und an der Macht zu bleiben, was fälschlicherweise ihm als Maxime zugeschrieben wurde. Er war Anhänger der Republik und hat in seinem eigentlichen Hauptwerk Discorsi die verschiedenen Staats- und Regierungsformen analysiert und seine persönlichen Gedanken über Politik, Staatsführung und Krieg festgehalten. Er war auch Dramatiker und Historiker, Die Geschichte von Florenz  ist ein Werk, welches alleine bereits sein Grabmal in der Santa Croce in der selbigen Stadt rechtfertigen würde.

Marc Aurel, römischer Kaiser und Philosoph, 121-180, in Vindobona gestorben, dem heutigen Wien, war ein Anhänger der stoischen Philosophie. Seine Sebstbetrachtungen beeindrucken wahrscheinlich um so mehr, weil sie von jemanden stammen, der eine aus heutiger Sicht mythologische Fabelwesenrolle („Römischer Kaiser“)  einnahm. Wer glaubt, sie seien nur deswegen überliefert und lesenswert, der irrt, sie sind grundsätzlich zeitlos, mit inhaltlicher Tiefe, in Auseinandersetzung mit Fragen um Leben und Tod, wie wir unserem Ende begegnen und welche Konsequenzen wir daraus für unser Dasein ziehen.

Wer ein kürzeres Werk der stoischen Philosophie probieren möchte, kann es mit Epiktet versuchen. Er ist ein anderer Vertreter der späten Stoa, 50-125. Das Handbüchlein der Moral ist uns überliefert worden und als Einstieg in die Materie gut geeignet.

Zum Abschluss noch ein paar leichtere und unterhaltendere Werke, die inhaltlich zum Thema Geschichte gut passen. Zum Beispiel Die letzten Tage von Pompeji, geschrieben 1834 von Edward Bulwer-Lytton oder Ein Kampf um Rom von Felix Dahn, die romanhafte Schilderung des Kampfs der Ostgoten gegen Ostrom zur Mitte des sechsten Jahrhunderts.

Und wer die griechische Sagenwelt kennenlernen möchte, für den führt der Weg nicht ans Gustav Schwab vorbei, der mit Klassische Sagen des Altertums für viele Generationen prägend war.

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