Der katholische ORF

Was können wir aus der Sido-Heinzl-Posse lernen? Nicht nur, wie vom Steuerzahler finanziertes Privatfernsehen funktioniert, sondern auch, welche Glaubensgrundsätze das Leben im ORF regeln.

Wer austeilt, ist für die Prime Time geeignet.

Das Leben ist eine einzigartige Selbstvermarktungs- und Casting-Show. Mit Durchsetzungsstärke und entschlossenem Vorgehen, das auf altmodische Benimm- und Anstandsregeln keine Rücksicht nimmt, wird Terrain erobert und verteidigt. Du musst der Erste sein, der Beste, Schönste, Klügste, was auch immer, bereits Platz 2 ist ohne Bedeutung. Nur die Sieger und ihre Trabanten zählen. Im Zweifelsfall räume deine Gegner, Kontrahenten oder Kritiker mit Gewalt vom Platz. Die Anerkennung durch Klicks und Postings entscheidet über den Werbewert und damit über den in Zahlen ausgedrückten unumstößlichen Wert deiner Persönlichkeit.

Wer bereut, den heiligt die Quote.

Viele Jahrhunderte katholischer Lebensprägung lassen sich nicht durch ein paar Jahrzehnte aufklärerischer Tendenzen abschütteln. Sei so böse, wie du willst, wenn du bereust, wird dir verziehen, egal, was du zuvor angerichtet hast. Die Absolution, natürlich göttlich, was sonst, in unserem profanen Zeitalter durch Programmintendanten und Meinungsumfragen vergeben, macht dich unantastbar, wenn deine gute Absicht als Versprechen für die Zukunft ausreicht, um die nächste Stufe der Aufmerksamkeitspyramide zu erreichen.

Jede Entscheidung war zu jedem Zeitpunkt richtig.

Es gab und gibt keine Fehler, sie sind nicht möglich und wenn doch, so tritt Regel 1 in Kraft. Ein kleines Dogma, unauffällig platziert, erweitert den Handlungsspielraum ungemein, befreit und schafft Raum für weitere, noch ungeahnte Steigerungsstufen medialer Situationskomik, für den Kampf zwischen Kasperl und Krokodil, wobei man in diesem Land oft nicht weiß, welcher Protagonist gerade welche Rolle gewollt oder unbeabsichtigt eingenommen hat.

Sei ein guter Verlierer.

Spiele mit, sei dankbar, dass du mitspielen darfst, es wird dir zu einem unbestimmten Zeitpunkt, der in der Ferne liegt, mit Sicherheit gedankt. In diesem Kräftespiel wird die festgelegte und unumstoßbare Rangordnung von Ober und Unter durch öffentliche Demütigung und generöse zur Schau Stellung möglicher Großmütigkeit demonstriert. Am Hof wird zur rechten Zeit geklatscht, ein barockes Theaterschauspiel, beinahe schon genetisch verankert, präzise wirksam in der Anwendung, in der Aufrechterhaltung und Ausweitung des eigenen Machtkreises, jenen Jahresringen, ohne die Beförderungen und Pfründe nur in Ausnahmefällen möglich sind.

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