carte blanche

8960151762_75ff9ca27c_nDer Buchhandel hat bisher eine Luxusposition innegehabt, ein Geschäftsmodell, das unverändert von selbst funktionierte, während andere Branchen zwischen Globalisierung, Internet und technologiegetriebener Weiterentwicklung bereits ein bis mehrere Male verglühten. Die Entwickler von Karten zum Beispiel, egal ob Straße oder Land, wurden von elektronischen Routenplanern abgelöst, diese wiederum werden gerade durch Apps am Smartphone ersetzt und Geld lässt sich in dem Geschäft bestenfalls nur mehr durch elektronischen Content verdienen. Ganz klar, dass der Buchhandel mit marktwirtschaftlichem Denken und der damit verbundenen Anpassungsfähigkeit an veränderte Gegebenheiten so seine Schwierigkeiten hat.

Wie reagieren Riesen in solchen Situationen? Mit Unbeweglichkeit, wie ein Riese, der Zwerge, die an seinem Bart hängen, mit einer lästigen Handbewegung in den Urschlamm zurück befördern möchte. So hat der Fachverband für Buch- und Medienwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich Klage gegen Thalia geführt und verloren, der – wie in der Wirtschaft üblich – Rabatte anbot, fünf Euro bei einem Einkauf ab zwanzig Euro, zehn Euro bei einem Einkauf ab vierzig Euro. Die Klage wurde abgelehnt, trotz Buchpreisbindung, weil das Angebot im grenzüberschreitenden elektronischen Handel erlaubt ist. Der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels bedauert die Entscheidung und wieder einmal wird jede Veränderung wirtschaftlicher Gegebenheiten und Rahmenbedingunen als Weltuntergangsstimmung der Kultur zelebriert.

Ich möchte daran erinnern, dass der Buchhandel und seine ProtagonistInnen jene sind, die dazu beitragen, dass ein Buch inzwischen nach wenigen Monaten als veraltet gilt, dass Bücher auf der Top-20-Liste von prominenten Buchpreisen nominiert werden, obwohl sie gerade noch im letzten Moment vor Ablauf des Gültigkeitszeitraums erscheinen – siehe Kehlmann und Glavinic.

Auf der anderen Seite braucht man sich zum Beispiel vor Thalia nicht fürchten. Beim Einlösen eines Geschenkgutscheins musste ich drei Wochen auf das Buch warten, eben weil es aus Deutschland geliefert wird, wahrscheinlich mit der Postkutsche, was mich darin bestätigte, bei einem anderen bekannten Online-Buch-Versand in logistisch-technischer Hinsicht gut aufgehoben zu sein. Ich möchte auch daran erinnern, dass es der Kunde heutzutage schätzt, seine Bestellungen von zu Hause aufzugeben und sich nicht extra in die nächste Buchhandlung begeben zu müssen, da nicht alle beruflich und rollenbedingt über einen solchen zeitlichen Spielraum verfügen. Es bedarf halt ein bisschen unternehmerischer Fantasie, um die damit verbundenen Möglichkeiten zu nutzen, die es gerade im Umfeld von Nischen und spezialisierten Angeboten sicherlich gibt.

Zum Glück gibt es auch Positives zu berichten. Denn auf der Seite des Österreichischen Buchhandels gibt es zum Ausgleich ein Interview, in dem sehr wohl beklagt wird, dass in Österreich zu viel über eBooks gejammert und diesbezüglich zu wenig in Start-Ups investiert wird. Es dauert bei uns eben  leider immer alles etwas länger, so ist das auf einer Insel der Glückseligen, selbst wenn der Wasserspiegel steigt.

Quellen:

Die Presse, 30.9.2013

Hauptverband des Österr. Buchhandels, OGH-Urteil Thalia

Hauptverband des Österr. Buchhandels, Die ÖSterr. Buchbranche. Unter uns

Foto: Leander Wattig

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