Und diesmal für eine österreichische Buchpolitik

4809297415_abea05b572_nZwischen Wahlen und Regierungsbildung ist scheinbar ein beliebter Zeitpunkt, Aufrufe und Resoutionen zu veröffentlichen, um auf seine Anliegen aufmerksam zu machen.  Gestern gab es den Aufruf von Autoren und Schrifstellern, mit dem Wunsch nach einem eigenen Kunst- und Kulturministerium. Heute sprach sich der Hauptverband des österreichischen Buchhandels für eine österreichische Buchpolitik aus, wobei ich die Forderungen zum größten Teil nachvollziehen kann, allerdings nicht, was daran jetzt so typisch österreichisch sein sollte, außer Regelungen in der heimischen Gesetzgebung erwirken zu wollen.

Ich zitiere:

Lesen und Bücher mögen sich, verglichen mit anderen Kulturbereichen, weniger gut zur medialen Inszenierung eignen. Unstrittig ist aber auch, dass Leseschwäche bei SchülerInnen als gesellschaftspolitisches Problem erkannt und die Bedeutung des Buches aus kultur- wie demokratiepolitischer Perspektive in Sonntagsreden immer wieder hervorgehoben wird. Das Ausmaß der Unterstützung der letzten Jahre lässt allerdings nicht erkennen, dass dieser Bereich wirklich ernst genommen wird.

Der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels fordert daher dazu auf, im nächsten Regierungsprogramm – so wie dies auch in anderen Ländern der EU gehandhabt wird – eine ressortübergreifende Buchpolitik zu verankern, um das BMUKK in seinen Aktivitäten zu unterstützen. Die Verantwortlichen der heimischen Buchbranche sind gerne bereit – wie es lange Zeit üblich war – bei der Erarbeitung der Details mitzuwirken und dann gemeinsam an die Umsetzung zu gehen.

Literatur ist Spiegelbild unserer Gesellschaft und die Basis für Theater und Film. Sie ist wie andere Sparten auch geeignet, für Österreich als Kultur- und Tourismusland zu werben.

Konkret müssen umgehend folgende Maßnahmen gesetzt werden:

1. Erhöhung der Mittel für die Buchbranche. Die Ausgaben der öffentlichen Hand für den Buchbereich sind im Vergleich zu anderen Kultursparten beschämend.

  • Diese Mittel reichen weder dafür, mit Veranstaltungen wie der BUCH WIEN, für  das Buch  und das Lesen bei (potenziellen) LeserInnen in Österreich zu werben, noch, die österreichische Buchkultur im Ausland, wie dies von anderen EU- Ländern permanent geleistet wird, ins Rampenlicht zu stellen.
  • Diese Mittel reichen weder dafür, klein- und mittelständischen Verlagen Umstellungen auf die Herausforderungen des digitalen Buchmarkts zu ermöglichen, noch sind sie dazu geeignet, Vertriebsstrukturen klein- und mittelständischer Buchhandlungen, die lokal und nachhaltig agieren, zu erhalten.

2. Schaffung von legistischen Rahmenbedingungen, die der heimischen Buchbranche eine Basis liefern, um wettbewerbsfähig zu sein:

  • Gleicher Mehrwertsteuersatz für gedruckte Bücher und E-Books
  • Anpassung des Urheberrechts, Einführung Speicher- medienabgabe
  • Verankerung der Buchpreisbindung für E-Books
  • Wiedereinführung eines reduzierten Posttarifs für den Bücherversand

Ich befürchte, die Verhandler der großen Koalition sind derzeit vor allem mit der Inszenierung ihres Koalitionstheaters beschäftigt, es würde mich positiv überraschen, wenn sie sich in naher Zukunft der Literatur von noch lebenden Autoren und Verlagen annehmen.

Foto: weisserstier

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