Dynamit und Literatur

Alice MunroDieses Jahr bin ich mit der Vergabe des Nobelpreises für Literatur nicht so ganz unzufrieden, auch wenn ich das Werk der Preisträgerin Alice Munro nicht kenne. Zwar finde ich es schade, dass wieder keiner der vielen guten US-amerikanischen AutorInnen den Preis bekommen hat, aber da Kanada „gleich ums Eck liegt“, gibt es wahrlich keinen Grund zu jammern. Bei bisher erst zwölf weiblichen Preisträgern, was offensichtlich eine Ungerechtigkeit ist, wurde hier zumindest ein kleiner Schritt in Richtung Ausgleich gemacht, wobei ich nichts von Quotenregelungen halte, sondern von fairen Bedingungen und gleichen Chancen.

In den letzten Jahren hatte ich den Eindruck, dass das Komitee generell um Ausgleich bemüht war, im Hinblick auf künstlerisches Schaffen und Nationalität, was man so oder so beurteilen kann. Grundsätzlich ist es positiv, allerdings gibt es für jeden Gewinner des Literaturnobelpreises zumindest einige andere, die ihn ebenso verdient hätten, also wäre es von dem her nicht notwendig, sich darum zu kümmern, sondern man sollte sich für den entscheiden, den man qualitativ für den Besten hält, selbst wenn der Vorjahresgewinner aus der selben oder ähnlichen Region kam.

Was ich eher fraglich finde, ist die Tatsache, dass Alfred Nobel den Preis denen zuteilen wollte, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben. Diese Praxis ist schon lange nicht mehr üblich, was es meiner Meinung nach viel spannender machen würde. Für Literatur ist es spezifisch definiert: an denjenigen, der in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat. Viel mehr werden inzwischen Lebenswerke geehrt, was durch die Aufmerksamkeit, welche dafür erreicht wird, löblich ist, jedoch nicht der ursprünglichen Intention entspricht.

Unabhängig davon gefällt mir, dass dieses Jahr eine Autorin ausgewählt wurde, die sich vorwiegend der Erzählung bzw. Short Story widmet, eine Literaturgattung, welche im deutschsprachigen Bereich in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Vergleich mit Romanen stark ins Hintertreffen geriet und Schriftsteller und ihre Verlage bei kürzerer Prosa mit schlechten Verkaufszahlen rechnen mussten, was sich auch hinsichtlich Publikationsmöglichkeiten auswirkte. Alles muss ein Roman sein, am besten noch ein Krimi, dabei sind die Möglichkeiten der Literatur größer und vielfältiger. Ich hoffe, dass die Vergabe des Preises somit kürzere Geschichten wieder aufwertet.

Foto: Wolf Gang

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