Politischer Herbst

Nicht alle Augenscheinlichkeiten sind unausweichlich. Der politische Herbst, er wird noch manche Blätter durcheinander wirbeln, von Fingerspitzen und Atemerosionen gelenkt. Keine der vorgegebenen Farben hat Garantie auf Bestand, im vorgegebenen Regelwerk ist Platz für heimlich versteckte Finessen, plumpe Drehmanöver, das täglich angesagte Gebet für eine Regierung neuen Stils, als wenn es um einen Modekatalog ginge, eine Fashion-Week, die unsere Parlamentsabgeordneten zu veranstalten hätten. Die Meinung ist nicht nur in solchen Zeiten, in ihnen jedoch vermehrt, ein übertragbares Gut, in Zeitungspapier verpackt, als Option verhandelbar, rabattbehaftet und stets dem eigenen Vorteil gewidmet, der den Zweck peinigt, das eigene Wohl heiligt, Umkehrmechanismen sicherheitshalber öffentlich steinigt, ganz wie es der heimatliche Brauch verlangt. Eine Telenovela, die Woche für Woche zwischen Ministerrat und Presseinformation feilgeboten wird, ein grauer Markt, auf dem Werte wie Selbstverständnis und Anstandsvermutung volatilen Besäufnissen erliegen, moralische Verwerfungen als Übermalungen akzeptiert und gepflegt. Es wird keine Donnerschläge geben, keine Erdbeben, keine Naturereignisse, nur Schmierentheater auf breiter Front, Treueschwüre, Prinzipienmechanik, Medienphysik der gröberen Sorte. Bevor der Weihnachtsfriede uns mit Lebkuchenkeksen erlöst, eingesprungenen Regierungsvertretern und einer Koalition, die noch ihresgleichen sucht.

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