Lesefutter VII

HeeresberichtIm Westen nichts Neues ist das wohl bekannteste Buch über den 1. Weltkrieg, bekannt durch Verfilmungen und Millionenauflage, von den Nazis ins Feuer geworfen, sein Autor, Erich Maria Remarque, verfemt.

Vor kurzer Zeit stieß ich auf ein anderes Buch, das damals ebenfalls dem Scheiterhaufen preisgegeben wurde, Heeresbericht, von Edlef Köppen, an den Folgen seiner Kriegsverletzungen 1939 verstorben. Das Buch erschien 1930 und wurde von Kurt Tucholsky in der Weltbühne gelobt: „Das ist ein echtes Stück Dichtung“. Die ersten beiden Auflagen (zweite Auflage: 1932) erreichten 10.000 Exemplare. Es dauerte bis 1976, bis es wieder zu einer Neuauflage kam(!). In das Buch hat der Autor viele Originaldokumente aus jener Zeit eingearbeitet, mit Unterstützung seiner Mutter, welche Unterlagen, wie Werbung oder Zeitungsartikel, sammelte.

Eine Montagetechnik, die an Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus (inzwischen ebenfalls gemeinfrei), erinnert, der in 200 Szenen ein Marstheater schuf, welches er selbst so bezeichnete, da er sein Stück für unaufführbar hielt. Es ist trotzdem unverständlich, dass es bisher noch nie in vollem Umfang aufgeführt wurde. Auch wenn ein solches Vorhaben sich über mehrere Abende verteilte, wäre gerade das Gedenkjahr 1914 dafür höchst geeignet!

Aber zurück zu Edlef Köppen. Nach dem Krieg arbeitete er als Lektor im Kiepenheuer Verlag, schrieb Romane, arbeitete im Radio und wurde nach der Machtergreifung der Nazis natürlich in seiner dortigen Funktion abgesetzt. In den Folgejahren weigerte er sich, an antisemitischen Filmvorhaben teilzunehmen, eine Haltung, zu der sich wenige Jahre später zum Beispiel Paula Wessely  nicht durchringen konnte. Heeresbericht blieb sein erfolgreichster Roman.

Ein anderer, wenig bekannter Autor, dessen Werke der Bücherverbrennung anheim fielen, ist Andreas Latzko, geboren in Budapest, am 11. Septemer 1943 verarmt in New York gestorben, seit kurzer Zeit ebenfalls „gemeinfrei“.

1916 an der Isonzofront verwundet, wurde er als sogenannter Kriegszitterer nach vielen Monaten Lazarett als Soldat entlassen und auf Kur in die Schweiz geschickt, wo er das Buch Menschen im Krieg schrieb, das 1917 in Zürich erschien und in 19 Sprachen übersetzt seine Kriegserlebnisse schilderte in sechs Novellen schilderte, welche Karl Kraus in der der Fackel 1931 lobte: „Ich habe das Werk Latzkos wieder und wieder gelesen. Es ist bewundernswert und dieser Mensch besitzt eine Begabung allerersten Ranges“. Andreas Latzko arbeitete nach dem Krieg als Reporter in Salzburg, übersiedelte 1931 nach Amsterdam und flüchtete später nach Amerika, wo er das Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr erleben durfte.

Heeresbericht, Projekt Gutenberg-DE

Menschen im Krieg / Men in War, Project Gutenberg

Fotonachweis: drakegoodman, Creative Commons

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: