Zur digitalen Zukunft unserer Literatur

Elfriede Jelinek veröffentlicht seit der Verleihung des Nobelpreises Texte ausschließlich im Netz. So findet man auf ihrer Homepage unter anderem den Text ihres so genannten Privatromans Neid.

Auf fiktion.cc gibt es derzeit  ein interessantes Interview zu lesen, in dem sie sich über ihre Sichtweise zu digitalem Schreiben, Lesen und Verlegen äußert.

Fiktion, siehe auch den Wikipedia-Link, ist eine Autorenplattform, die sich vom Aufruf „Wir sind Urheber“ distanziert.

Uns treibt nicht die Sorge, es könnten Inhalte im Netz kostenlos – an uns vorbei – verbreitet werden, sondern die, dass unsere Art des Schreibens und Nachdenkens marginalisiert wird, in Folge sowohl wirtschaftlich als auch kulturell derart abseitig erscheint, dass wir von unserer Arbeit nicht mehr leben können.

Es ist ein Modellprojekt deutsch- und englischsprachiger Autoren, das die sich durch die Digitalisierung eröffnenden Chancen für die Wahrnehmung und Verbreitung anspruchsvoller Literatur weiterzuentwickeln sucht.

Dem literarischen Beirat gehören bekannte SchrifstellerInnen an, zum Beispiel Susane Scholl, Douglas Copland, Katharina Hacker oder eben eine Nobelpreisträgerin, Elfriede Jelinek (die anderen AutorInnen mögen mir verzeihen, dass ich sie hier nicht aufzähle!). Die Initiative stemmt sich gegen das für Literatur laufend schlechter werdende Umfeld und möchte gleichzeitig neue Möglichkeiten der digitalen Welt, welche sich – auch oder gerade sogar – zur Verbreitung ernsthafter und anspruchsvoller Texte eignen, erforschen und diskutieren.

Der Eindruck, dass das Verlegen von Büchern, die sich nicht sofort gut verkaufen, einem karitativen Akt gleichkommt, hat unser Schreiben beeinträchtigt. Es ist an der Zeit, dass wir nicht länger nur zusehen, wie sich die Bedingungen für unsere Literatur verschlechtern, sondern selbst nachzudenken und zu erproben, welche Chancen die Digitalisierung auch für die Verbreitung unserer Werke bietet:

Da E-Books unabhängig von ihrem kommerziellen Erfolg weltweit bereitgestellt werden können, müssen nicht mehr die ersten Wochen nach Erscheinen über Erfolg oder Misserfolg eines Titels entscheiden, sondern die Aufmerksamkeit kann sich langsam und unter Ausschluss der Massenmedien entwickeln.

Um E-Books zu vertreiben, ist es nicht zwingend erforderlich, sie zu verkaufen. Auch wir bevorzugen, von der Verwertung unserer Bücher zu leben, statt uns auf eine Weise zu verdingen, die uns vom Schreiben abhält. Aber wir wollen bei jedem unserer Bücher frei sein zu entscheiden, ob und wann wir es nicht besser verschenken. Dass Lesen Geld kostet, ist ein Übel, dessen Notwendigkeit es immer neu zu beweisen gilt.

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