Pyrrhussieg auf der Mahü

Die Schlacht ist geschlagen. Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!, soll König Pyrrhus nach seinem Erfolg gegen die Römer im Jahr 279 v. Chr. gesagt haben. So ähnlich könnte es nun den Grünen ergehen. Statt eine Beteiligung an der Stadtregierung dafür zu nutzen, weitere Wählergruppen anzusprechen, konzentrierten sie sich auf ihre Stammwähler und betrieben Klientelpolitik.

Um den Preis von Polarisierung der Öffentlichkeit setzten sie ihnen wichtige Themen durch. Mit knapper Mehrheit, obwohl sie das Spielfeld auf heimatliche Gefilde zweier ihnen wohlgewogener Wiener Bezirke begrenzten, unter Einbeziehung von EU-Bürgern und Ausschluss der Geschäftsleute. Begleitet von teuren Kampagnen und taktischen Fehlern in der Umsetzung, die ihnen für die nächsten Jahre den Unmut breiter Bevölkerungsschichten sichern.

Konsequenzen

Schon bei der EU-Wahl und erst recht bei der nächsten Wiener Gemeinderatswahl könnte sich das Konzept rächen, wie die beiden ehemaligen Großparteien ausschließlich Politik für angestammte Kerngruppen zu betreiben und so das Terrain für populistische Parteien weiter aufzubereiten.

Die politischen Hausaufgaben gehören nachwievor gelöst. Dass viele Fußgänger sich von Radfahrern in der Stadt oft mehr als durch Autos bedroht fühlen, wurde bisher ignoriert, die Querungen der Mariahilfer Straße müssen nun praktikabel umgesetzt werden, die Streckenführung der Buslinie wird als Thema weiterschwelen, so wie Umbaukosten als Wahlkampfthema und Unklarheit darüber, wo die Fußgängerzone beginnt und endet, wo man nun gehen darf und wo nicht. Erst mittels eines Großumbaus darüber Klahreit zu schaffen, ist ein Armutszeugnis, das sich im nächsten Wählervotum klar und deutlich niederschlagen dürfte.

Gefühlsmäßig bleibt bei vielen Wählern hängen: Grüne versuchen ihre Themen um jeden Preis durchzusetzen („wir sind die Guten“), ohne genügend auf andere Bedürfnisse und Argumente einzugehen. Egal, ob die Ansicht stimmt oder nicht und ob diese Wähler möglicherweise sowieso nicht zu gewinnen wären, wird dieses latente Stimmungsbild in den nächsten Jahren den grünen Anliegen schaden und schwer aus den Köpfen rauszubekommen sein, da es bestehende Vorurteile verstärkt.

Aussicht

Die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße wird langfristig ein Erfolg sein. Durch ihr Vorhandensein und den damit geschaffenen Fakten wird wie bei der Kärntner Straße und der Donauinsel das in Besitz nehmen und Adaptieren des öffentlichen Raums, im ersten Schritt vor allem durch Jüngere, der Straße ein neues Gesicht geben.

Herkömmliche Geschäfte werden durch alternative Geschäftsideen, die in den nächsten zwanzig Jahren im Mainstream ankommen, ersetzt und die Mahü, die schon ganz anderes ausgehalten hat, man erinnere sich in den letzten Jahrzehnten an Ungarn-Shops und U-Bahnbau, wird Sitzbänke erhalten, Lokale und Verweilzonen.

Nur die politischen ProtagonistInnen werden nicht davon profitieren, was sie zum Teil auch sich selbst zuzuschreiben haben. Aber aus Fehlern kann man lernen und einem typisch österreichischen Schicksal zu entkommen, ist schon vielen anderen nicht gelungen.

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