Lesefutter XI

Franz Werfel, geboren in Prag, gestorben 1945 in Kalifornien, bereichert seit 2016 die Liste gemeinfreier Autoren. Mit Franz Kafka und Max Brod befreundet, heiratete er Alma Mahler, schrieb Lyrik, Erzählungen, Romane, Theaterstücke; in den zwanziger und dreißiger Jahren höchst erfolgreich. Österreich verließ er 1938 rechtzeitig, ging nach Frankreich, von wo er 1940 wieder flüchten musste. Es gelang ihm zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien und dann nach Portugal zu gelangen und Europa zu verlassen, was anderen seiner Generation, wie zum Beispiel Ernst Weiß, nicht vergönnt war.

Die Novelle Eine blaßblaue Frauenschrift spielt in den dreißiger Jahren, eine spannende Dreiecksgeschichte mit bedrohlichem zeitgeschichtlichem Hintergrund, sie wurde später von Axel Corti verfilmt und auch als Theaterstück aufgeführt. Der Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh schildert den Völkermord an den Armeniern, in Das Lied von Bernadette erzählt er die Geschichte der heiligen Bernadette. Sein letztes Werk, Der Stern der Ungeborenen, schloß er zwei Tage vor seinem Tod ab, eine utopische Reise, 100.000 Jahre in die Zukunft.

2018 werden zwei weitere Schriftsteller gemeinfrei: Hans Fallada und Wolfgang Borchert.

Falladas Schreibmaschine

Hans Fallada, ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit, alkoholabhängig und Morphinist, gestorben 1947, lernte aufgrund seiner Süchte Heilanstalten und Gefängnisse von innen kennen. Erfahrungen, die er in „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ oder Der Trinker verarbeitete. Durch die Romane Bauern, Bonzen und Bomben, vor allem aber durch Kleiner Mann – was nun?, in dem er die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise darstellte, wurde er berühmt. Jeder stirbt für sich allein, sein letzter Roman beschäftigt sich anhand eines tatsächlichen Falls mit dem Thema Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Situation des Einzelnen in einem solchen Staat.

Wolfgang Borchert ist der bekannteste Autor der sogenannten Trümmerliteratur. Neben seinen Kurzgeschichten wurde er vor allem durch das Theaterstück Draußen vor der Tür bekannt, einem eindringlichen Anti-Kriegsdrama. Es wurde im Februar 1947 erstmals als Hörspiel ausgestrahlt, im November 1947 fand die Bühnenpremiere statt. Tragischerweise starb er am Tag davor und konnte den außerordentlichen Erfolg des Stücks, das auch heute noch beeindruckt, nicht miterleben.

Bildnachweis: Flickr, bennybunny

 

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